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Hiob stürzt ins Unglück – erzählt von Eckart zur Nieden

Hiob stürzt ins Unglück – erzählt von Eckart zur Nieden

Nachdem Hiob sich von den jungen Leuten verabschiedet hatte, hielt er sein Kamel an. Die anderen ritten weiter. Im Galopp stoben sie davon, so dass eine Staubwolke sie bald vor den Blicken des alten Mannes verbarg.

Hiob richtete sich in dem reich verzierten Sattel hoch auf und sah der Staubwolke nach. Dann wendete er sein edles Kamel und ritt zurück. Als er zu dem Dorf mit seinen Lehm- und Ziegelhäuser zurückkam, ritt er zuerst zu dem Altar, der seitlich auf einem Hügel stand. Dort war schon ein Opfer vorbereitet.

Hiob ließ sein Kamel niederknien, stieg ab und zündete das Opfer an. Als der Rauch emporstieg, kniete er vor dem Altar nieder und betete.

“Heiliger Gott”, betete er, “ich danke dir, dass du mich so reich gesegnet hast. Hunderte, ja Tausende von Kamelen, Rindern, Eseln und Schafen hast du mir geschenkt. Aber meine größte Freude sind meine sieben Söhne und drei Töchter. Ich danke dir, dass sie gesund sind und dass sie sich so gut verstehen. Heute hat der Älteste Geburtstag und hat die Brüder und Schwestern eingeladen. Bitte sei bei ihnen. Und segne meinen ältesten Sohn im neuen Lebensjahr.”

Hiob schob ein Holzstück nach, schaute eine Weile ins Feuer und betete dann weiter: “Noch eins, Gott, wollte ich bitten. Du weißt, ich kann nicht immer auf die jungen Leute aufpassen. Sie sind selbständig und müssen selbst entscheiden, ob sie dir gehorchen wollen. Aber eins kann ich, Herr: Wenn sie etwas Böses tun sollten, kann ich dich bitten, dass du ihnen vergibst. ”

Dann stand Hiob auf, führte sein Kamel am Zügel in das Dorf hinunter, übergab es einem Knecht und ging in sein Haus.

Gerade hatte er sich niedergelassen, da kam ein Mann hereingestürzt.

“Ein Unglück, Herr!” stieß er hervor. “Ich bin einer deiner Knechte, die deine tausend Rinder und fünfhundert Esel gehütet haben. Es war alles friedlich, auf einmal stürzten Feinde auf uns. Es waren Räuber aus Saba, die sich heimlich angeschlichen hatten. Wir verteidigten uns verzweifelt, aber einer nach dem anderen wurde vom Schwert getroffen. Als ich merkte, dass ich nur noch allein übrig blieb, lief ich davon. Ich konnte doch nichts mehr retten. Aus der Ferne habe ich noch beobachtet, wie die Räuber alle Rinder und Esel wegtrieben.”

Hiob sprang auf. Gerade wollte er Anweisung geben, wie man die geraubten Herden vielleicht zurückholen könnte, da stürzte ein anderer Knecht zur Tür herein.

“Herr, deine Schafe!” rief er ganz außer Atem. Alle siebentausend Schafe sind verloren! Ein Feuer! Sie weideten alle auf der Steppe, da entzündete ein Blitz das trockene Gras. Es gab einen Steppenbrand. Der Wind fachte ihn an und trieb ihn auf uns zu. Sogar deine Knechte konnten nicht mehr schnell genug weglaufen, erst recht nicht die Schafe. Sie sind alle umgekommen. Nur ich konnte mich in einen Wassertümpel retten, bis die Feuerwand über uns hinweggegangen war.”

Erschöpft ließ sich der Knecht auf eine Bank sinken. Auch Hiob sank in seinen Stuhl. In dem Moment wurde wieder die Tür aufgerissen. Ein dritter Knecht stand im Eingang.

“Deine … deine … deine Kamele, Herr”, stotterte er. “Sie sind alle geraubt. Die Chaldäer haben sie mitgenommen und deine Knechte erschlagen, die die Herde bewachen sollten. Wir konnten auch nicht fliehen, weil sie uns umzingelt hatten.

Von drei Seiten fielen sie über uns her. Ich bin als einziger entkommen, weil ich mich verstecken konnte.”

Hinter dem Knecht erschien ein anderer im Türrahmen. Er kam langsam näher, als der andere zur Seite trat. Bleich im Gesicht stand er vor Hiob und traue sich kaum zu sagen, was er zu sagen hatte.

“Alle keine Kinder sind tot, Herr. Sie hatten ihre Geburtstagsfeier im Haus des Ältesten und waren so fröhlich und ausgelassen. Da kam ein plötzlicher Wirbelsturm, so heftig, wie wir’s noch nie erlebt haben. Er riss die Wände des Hauses ein, die schweren Dachbalken stürzten herunter und fielen auf die ganze Festgesellschaft. Ich bin als einziger mit dem Leben davongekommen.”

Eine Weile herrschte Totenstille im Raum. Niemand bewegte sich. Niemand sagte etwas. Was hätte man auch sagen können?

Dann stand Hiob langsam auf. Aschfahl war er im Gesicht. Er riss als Zeichen seines Schmerzes sein Gewand kaputt. Dann sackte er wie leblos zusammen, auf die Knie erst, dann ließ er sich vornüber auf den Fußboden fallen.

“Ich hatte nichts, als ich geboren wurde”, stammelte er. “Ich werde auch nicht mehr haben, wenn ich diese Welt verlasse.”

Sollte ich auf Gott zornig sein? Nein, er hat mir alles gegeben, also kann er es mir auch wieder nehmen. Ich will Gott trotz allem loben.”

Einer der Knechte flüsterte dem anderen zu: “Dass Hiob nach soviel Unglück noch an Gott festhält!” Der andere flüsterte zurück: “Warum sollte er grade jetzt Gott untreu werden? Gerade im Leid zeigt sich doch, wie Gott trösten und Halt geben kann.”

Hiob 1,1-5.13-22

Fortsetzung: Hiob wird krank

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